Speedreading Lektion 14 – Aktivierung des visuellen Kortex

by admin on 31. März 2009

Nr. 14:   Aktivierung des visuellen Kortex

Tipp 19: Der normale Leser liest deutlich langsamer und schlechter, als es
das Gehirn ermöglichen würde. Ein Grund dafür liegt darin, dass der
Durchschnittsleser eine enorm komplexe Region des Gehirns beim Lesen fast
vollkommen vernachlässigt – den visuellen Kortex. Unter Einbeziehung dieses
Gehirnteils sind viel höhere Geschwindigkeitsleistungen, kombiniert mit
einer hervorragenden Konzentration, möglich. Da wir in Schulzeiten
allerdings Lesen nur als eine Form des innerlichen Mitsprechens gelernt
haben, wird der visuelle Kortex beim Lesen normalerweise nur minimal
genutzt. Die meisten Menschen müssen das Gelesene im Kopf mitsprechen, um es
überhaupt verstehen zu können. Das bedeutet, dass im Gehirn hauptsächlich
das auditive Verarbeitungszentrum aktiv ist. Lesen ist daher die einzige
Tätigkeit, bei der das Auge dazu verwendet wird um zu hören anstatt zu
sehen. Wenn Sie beginnen möchten, nach und nach mehr von Ihrem Gehirn zu
nutzen, dann fangen Sie damit an, auch beim Lesen Ihren visuellen Kortex zu
aktivieren. Wie? Indem Sie vor jedem Leseprozess ein bis zwei Minuten lang
den Text zunächst einmal rein visuell „abscannen“. Nehmen Sie dafür einfach
den Stift in die Hand und fahren Sie ihn beispielsweise über mehrere Zeilen
gleichzeitig im Zickzack den Text herunter. Dabei werden Sie
höchstwahrscheinlich kaum etwas vom Inhalt des Geschriebenen erkennen
können. Das brauchen Sie auch gar nicht. Wichtig ist nur, dass Sie es
versuchen. Auf diese Weise aktivieren Sie Ihren visuellen Kortex bereits
etwas stärker, bevor Sie anfangen den Text auf mit dem Stift auf Verständnis
zu lesen.

Tipp 20: An dieser Stelle möchte auch mit einem weit verbreiteten Irrtum
über das Schnell-Lesen aufräumen. Da beim so genannten Speed Reading so oft
vom „inneren Mitsprechen“ und vom  „visuellen Lesen“ gesprochen wird,
entsteht leider immer wieder der Fehlglaube, man müsse das innere
Mitsprechen abstellen, um schnell lesen zu können. Das ist vollkommen
falsch. Es geht ganz und gar nicht darum, dass innere Mitsprechen
abzustellen. Dieses soll ganz im Gegenteil weiter bestehen bleiben. Das
wesentliche Element fortschrittlichen Schnell-Lesens ist stattdessen, dass
zusätzlich zum inneren Mitsprechen auch einzelne Wörter rein visuell gelesen
werden. So wird beispielsweise eine Wortgruppe mit 3 Worten mit einem Blick
verarbeitet, wobei das aussagekräftigste Wort automatisch innerlich
mitgesprochen, die anderen beiden Wörter allerdings nebenher gleichzeitig
visuell mit aufgenommen werden. Auf diese Weise findet sowohl eine stark
beschleunigte Informationsverarbeitung, kombiniert mit einer größeren
Konzentration auf das Wesentliche statt. Dies erhöht selbstverständlich auch
das Textverständnis und die Erinnerung an das Gelesene. Beachten Sie
allerdings, dass diese Fähigkeit nicht durch ein bewusstes  „Umschalten“
erreicht werden kann. Sie erfolgt automatisch durch das konsequente
Training.

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