Nr. 10: Schnell-Lesen von Fiktion
Tipp 14: Immer wieder werde ich gefragt: Herr Ritter, wie wende ich
das Schnell-Lesen beim Lesen von Romanen an? Soll ich diese auch
doppelt oder sogar dreimal so schnell lesen wie bisher? Ich denke es
ist an der Zeit sich auch dieser Frage hier im e-practitioner zu
widmen. Goethe sagt hierzu: “Es ist ein großer Unterschied, ob ich
lese zum Genuss und Belebung oder zur Erkenntnis und Belehrung.”
Grundsätzlich kann man sagen: Sachbücher werden in erster Linie zur
Aufnahme von Wissen und zur Erschließung neuer Erkenntnisse gelesen,
während wir Romane meist zum reinen Genuss lesen. Natürlich kann
beides große Freude bereiten. Doch bei der reinen Wissensaufnahme ist
unser Genuss normalerweise immer dann am höchsten, wenn wir in kurzer
Zeit möglichst viel neues Wissen und neue Erkenntnisse gewinnen. Daher
führt das Schnell-Lesen hier meist zu stark erhöhtem Genuss.
Bei Romanen dagegen ist es die gegenwärtige Atmosphäre, die uns Freude
bereitet. Grundsätzlich ist das Ziel also, das Lesen hier so zu
gestalten, dass die Atmosphäre so intensiv wie möglich erlebt wird.
Aus diesem Grund habe ich ein paar einfache Richtlinien für das Lesen
von Fiktion entworfen: Dialoge lese ich für gewöhnlich in Echtzeit,
d.h. in etwa so schnell wie normalerweise auch gesprochen wird. Es
würde auch niemand auf die Idee kommen, die Dialoge eines Filmes im
Vorspul-Modus zu genießen. Bei Atmosphärenbeschreibungen dagegen lese
ich gerne doppelt, dreimal oder sogar viermal so schnell. Dazu zählen
Landschaftsbeschreibungen, äußerliche Personendarstellungen und
Schilderungen bestimmter Vorgänge. Warum? Schließlich nehmen wir in
einem Film für gewöhnlich auch alles auf einmal wahr oder zumindest in
schneller Abfolge – nicht Wort für Wort, so wie in einem Buch. Wer
die Fähigkeit des Schnell-Lesens beherrscht kann solche Atmosphäre-
schilderungen mehr wie einen Film genießen. Dadurch gewinnt die
Darstellung an Farbe, wird lebendiger und erhöht letztendlich den
Lesegenuss. Deshalb: Beschränken Sie sich auch beim Lesen von Romanen
nicht auf eine bestimmte Lesegeschwindigkeit: Variieren Sie! Anfangs
mag das noch verwirrend sein – langfristig werden Sie so jedoch ein
vollkommen neues Lesevergnügen entdecken.
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freundlichen Grüßen weiter an Ihre Freunde, Kollegen, Bekannte, Verwandte.
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Dieser Artikel wurde uns von Jonas Ritter von RitterSpeedreading zur Verfügung gestellt.
